Verpackungsumweltschutz

Drei echte Rechnungen zum „Stückverbrauch“ im Druck: Stromverbrauch pro Einheit bei Offset-, Digital- und solventbasierter Druckfarbe mit Rückgewinnung – welche drei Rechnungen eine Druckerei zuerst aufstellen sollte, wenn Markenartikler eine Senkung des Energieverbrauchs verlangen

📅 2026-11-05 ✍️ Wuxi Lexiang Printing & Packaging ⏱ 3Min. Lesezeit

💡 💡 Auf einen Blick

Der Beitrag zeigt anhand von 3 realen Rechenansätzen, wie Druckereien den Energieverbrauch pro Verpackungseinheit belastbar berechnen. Zunächst muss die Einheit eindeutig definiert werden: als Nettofertiggewicht, Produktionseinsatz einschließlich Verlusten oder als vollständige Prozessverteilung. Die Werte dieser Grundlagen können sich um den Faktor 2 unterscheiden. Anschließend werden die Stromverbrauchsbereiche von Offsetdruck, Digitaldruck und solventbasiertem Tiefdruck oder Flexdruck mit Rückgewinnung verglichen. Der Offsetdruck wird stark durch Aufheizenergie bei kleinen Auflagen beeinflusst, der Digitaldruck durch Trocknung und Startkosten, die solventbasierte Variante durch den zusätzlichen Energiebedarf der Rückgewinnung. Schließlich ist darzulegen, dass Energiekosten meist nur 2 % bis 5 % der Gesamtkosten betragen. Entscheidend sind deshalb die Auflagengröße, die Prozesskette und der tatsächliche Kostenumfang, nicht isolierte Stromwerte. Für Anfragen von Markenartiklern empfiehlt sich daher die Reihenfolge: Einheit definieren, Bandbreiten je Verfahren berechnen und Energiekosten in den Gesamtkosten kontextualisieren.

Im Juni 2026 wandte sich ein Markenartikler für Pflege- und Reinigungsprodukte mit einer Anfrageanforderung an uns.

Die Anforderung war höflich formuliert: „Wir bitten Sie um Angaben zum Energieverbrauch pro Produkteinheit für die Offenlegung in unserem ESG-Bericht 2026.“

Da es die erste Anfrage dieser Art unsererseits war, fragten wir zunächst am Telefon: „Welche Einheit meinen Sie genau?“

Der Kunde antwortete: „Eine Etikettenschachtel für eine kleine Flasche.“

Dann stellten wir die zweite Frage: „Soll das Eigengewicht der Verpackung in die Berechnung des Energieverbrauchs pro Stück einfließen? Werden Verluste berücksichtigt? Und die Druckvorlagen?“

Diese Frage führte zu dem vorliegenden Thema. Bei rund 80 % der Streitfälle rund um den „Energieverbrauch pro Stück“ liegt das Problem nicht bei der Druckerei, sondern bei der Definition der Einheit.

Erste Abgrenzung: Unterschiedliche Materialgrenzen pro Stück können zu Zahlen führen, die sich um den Faktor 2 unterscheiden

„Eine Schachtel“ bezeichnet je nach Berechnungsgrundlage völlig unterschiedliche Dinge.

Grundlage 1: Nettofertiggewicht. Gemeint ist die Schachtel, die der Kunde schließlich in der Hand hält, einschließlich des benötigten Papiers, der Farbe und des Stroms. Diese Berechnung ist am einfachsten und entspricht meist der Erwartung des Kunden.

Grundlage 2: Produktionseinsatz. Hier werden Verlust einbezogen, etwa Einrichtpapier, Farbe für Testläufe, Fehlprodukte beim Einrichten, Beschnittreste und zurückgeschicktes Papier. Die Werte liegen 10 % bis 25 % über denen der ersten Grundlage, da die Verlustquote bei kleinen Auflagen und häufigen Änderungen bereits erheblich ist.

Grundlage 3: Vollständige Prozessverteilung. Hier werden auch die Druckvorstufe, etwa Designumsetzung und Andruck, die Formherstellung und die Nachbearbeitung, etwa Stanzen, Kaschieren und Vergolden, einbezogen. Diese Grundlage entspricht am ehesten der Methodik, die Markenartikler für eine vollständige Lebenszyklusbetrachtung verwenden. Sie ist jedoch eine Prozessverteilung und nicht mit dem Druck eines einzelnen Bogens gleichzusetzen.

Wenn wir mit Kunden die Zahlen abgleichen, kommt es am häufigsten zu folgender Situation: Ein Kunde übernimmt einen unserer Werte in seine ESG-Tabelle und stellt anschließend fest, dass dieser nicht mit den Angaben eines anderen Lieferanten übereinstimmt. Dann fragt er, ob wir einen Rechenfehler gemacht hätten. Es liegt kein Rechenfehler vor, sondern eine unterschiedliche Berechnungsgrundlage. Wer alle drei Grundlagen gleichzeitig angibt und die Definitionen eindeutig dokumentiert, schafft eine nachvollziehbare und vergleichbare Basis.

Die korrekte Formulierung der ersten Abgrenzung lautet daher: Der „Energieverbrauch pro Stück“ ist keine objektiv existierende Einzelzahl, sondern eine Zahl unter jeweils drei Berechnungsgrundlagen. Ohne Definition der Grundlage ist eine Diskussion über Energieeinsparung sinnlos.

Zweite Abgrenzung: Unterschiede im Stromverbrauch pro Einheit entstehen durch die Länge der Prozesskette

Unsere Druckerei betreibt Parallelproduktion im Offsetdruck, Digitaldruck sowie im Tiefdruck und Flexdruck mit solventbasierter Farbe. Die Unterschiede im Stromverbrauch pro Einheit sind strukturell bedingt und keine Frage des Managements.

Eine grobe Bandbreite, bezogen auf den Druckprozess ohne Druckvorstufe und Nachbearbeitung, sieht wie folgt aus:

Offsetdruck. Der Energieverbrauch konzentriert sich vor allem auf die Erwärmung und Trocknung der Druckmaschine sowie auf die Druckluftversorgung. Zur Kontrolle der Farbeigenschaften müssen Farbwalzen und Formwalzen beheizt werden. Bei kleinen Auflagen verteilt sich die Aufheizenergie beim Maschinenstart auf wenige Stück und kann sehr hoch ausfallen. Bei einer Auflage von 500 Stück kann ein einziger Aufheizvorgang bereits die Hälfte des Stromverbrauchs dieser Charge verursachen. Deshalb wird der Energieverbrauch im Offsetdruck fast vollständig durch die Auflage bestimmt. Zwischen Auflagen von 10000 und 1000000 Stück kann der Stromverbrauch pro Einheit um den Faktor 3 bis 5 abweichen.

Digitaldruck. Es gibt keinen Aufheizvorgang, was der unmittelbarste Vorteil dieses Verfahrens ist. Die Maschine kann unmittelbar drucken. Digitaldruck ist jedoch nicht energiefrei. Ein wesentlicher Teil des Verbrauchs entsteht beim Trocknen. Der Trocknungsenergiebedarf bei wässriger Tintenstrahltechnik und UV-Härtung hängt direkt von der Dicke der Farbschicht und der Trocknungsgeschwindigkeit ab. Zudem sind die regelmäßige Reinigung und Wartung der Druckköpfe feste Kosten, die bei kleinen Auflagen unwirtschaftlich aufgeteilt werden.

Solventbasierte Farbe im Tiefdruck oder Flexdruck mit Rückgewinnungsanlage. Der Stromverbrauch des eigentlichen Druckprozesses ist möglicherweise nicht am höchsten. Der zusätzliche Energieverbrauch der Lösemittelrückgewinnung ist jedoch nicht zu vernachlässigen. Eine kondensations- oder adsorptionsbasierte Rückgewinnung benötigt Strom oder Dampf. Werden diese Verbräuche einbezogen, steigt der Energieverbrauch pro Einheit dieser Produktionslinie deutlich.

Ein praktischer Fehler, den wir selbst erlebt haben, verdeutlicht die Problematik. Bei einem Kunden waren im Jahresverlauf 80 % der Menge für den Offsetdruck und 20 % für den Digitaldruck geeignet. Wir erstellten eine Energieeffizienz Berechnung nach dem Ansatz „alles Digitaldruck“. Als der Kunde diese zur Offenlegung verwendete, wurde er im folgenden Jahr bei einem Audit gefragt: „Sie haben 20 % Digitaldruck als 100 % kalkuliert.“ Das größte Risiko von Effizienzdaten liegt nicht in Rechenfehlern, sondern in einer falsch interpretierten Berechnungsgrundlage.

Die korrekte Formulierung der zweiten Abgrenzung lautet daher: Die Unterschiede im Stromverbrauch pro Einicht ergeben sich hauptsächlich aus Auflage und Länge der Prozesskette, nicht aus dem Alter der Maschinen oder dem Qualitätsniveau des Managements. Im Offsetdruck liegt das Einsparpotenzial bei der Auflage, im Digitaldruck bei der Trocknung und der Maschinenstartstrategie. Bei solventbasierter Farbe muss die Rückgewinnungsanlage in die Berechnung einbezogen werden.

Dritte Abgrenzung: Der Anteil des Energieverbrauchs an den Gesamtkosten ist nicht wesentlich höher, als Kunden annehmen

Diese Abgrenzung wird am häufigsten übersehen und beeinflusst die Kommunikation besonders stark.

Hinter der Frage nach dem Energieverbrauch steht häufig die Erwartung: „Hier besteht Optimierungspotenzial, vielleicht lässt sich der Preis drücken.“ In der Kostenstruktur einer Druckerei nimmt der Energieverbrauch jedoch meist nur einen kleinen Anteil ein. Papier und cardboard bilden die Hauptkosten, gefolgt von Verarbeitung und Arbeitszeit.

Die tatsächliche Situation lautet daher oft: In einem Auftrag machen die Energiekosten 2 % bis 5 % aus. Der Kunde diskutiert drei Monate lang darüber, wie diese 2 % gesenkt werden können, während der eigentliche Betrag in den Papierkosten liegt, die mehr als 60 % ausmachen.

Unser Vorgehen bei Anforderungen zum Energieverbrauch besteht darin, dem Kunden zunächst die drei maßgeblichen Rechnungen vorzulegen: den Energieverbrauch pro Stück nach der Produktionsgrundlage, den Anteil des Energieverbrauchs an den Gesamtkosten pro Stück sowie die verfügbaren Optionen zur tatsächlichen Senkung und deren jeweilige Auswirkungen. Dadurch wird das Thema vom Preisverhandlungs- zum Prozessauswahlthema. Bei einem bestimmten Papier kann der Tonnenpreis höher und das Flächengewicht dennoch geeignet sein, sodass die Gesamtkosten aufgrund der entfallenden Doppelkaschierung oder zusätzlichen Verdickung sogar niedriger ausfallen. Eine solche Betrachtung ist wesentlich hilfreicher als eine allgemeine Diskussion über Stromsparmaßnahmen.

Die korrekte Formulierung der dritten Abgrenzung lautet: Der Energieverbrauch ist kein Kostentreiber der Verpackung, sondern eine Eingangsgröße für die Prozessauswahl. Erst seine Einordnung in die Gesamtkosten ermöglicht es Kunden und Dienstleister, über dieselbe Zielgröße zu sprechen.

Welche drei Rechnungen eine Druckerei zuerst aufstellen sollte, wenn ein Markenartikler eine Senkung des Energieverbrauchs anfragt

Erstens die Einheit definieren. Nettofertiggewicht, Produktionseinsatz oder vollständige Prozessverteilung. Die gewählte Grundlage sollte im Angebotsanhang dokumentiert und vom Kunden bestätigt werden. Ohne diesen Schritt passen alle nachfolgenden Zahlen nicht zueinander.

Zweitens Bandbreiten für den Stromverbrauch pro Einheit der drei Verfahren berechnen, keine scheinbar präzisen Einzelwerte. Bandbreiten sind erforderlich, weil der Verbrauch direkt von Auflage, Zahl der Maschinenstarts und Trocknungsverfahren abhängt. Bandbreiten sind ehrlicher als präzise Einzelwerte und zugleich weniger angreifbar.

Drittens den Energieverbrauch wieder in die Gesamtkosten einordnen und sowohl seinen Anteil als auch die verfügbaren Optionen angeben. Der Kunde möchte wissen, welcher Weg wie viel einspart. Diese Fragestellung verschiebt das Gespräch von „Können Sie günstiger werden?“ zu „Welches Verfahren eignet sich für diese Charge besser?“

Ein Satz an die Kunden

Unsere Haltung zu Energiedaten lautet: Wenn wir genaue Angaben liefern können, liefern wir sie. Wenn dies nicht möglich ist, erklären wir klar, warum nicht.

Sobald Effizienzdaten in einen öffentlichen ESG-Bericht aufgenommen werden, stellen sie eine rechtlich verbindliche Offenlegung dar. Wenn eine Druckerei Zahlen für einen Kunden einträgt, deren Berechnungsgrundlage nicht eindeutig definiert ist, ergeben sich bei einer Prüfung nach drei Jahren nicht nur für die Druckerei Probleme. Wir investieren deshalb lieber zusätzliche 10 Minuten in eine klare Definition der Berechnungsgrundlage.

Weiterführende Informationen

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Häufige Fragen

Der Kunde verlangt „Energiedaten pro Produkteinheit“. Sollten wir diese liefern, und kann der Kunde damit anschließend den Preis drücken?

Ja, die Daten sollten geliefert werden, allerdings ist die Vorgehensweise entscheidend. Zunächst muss die Berechnungsgrundlage genannt werden: Nettofertiggewicht, Produktionseinsatz oder vollständige Prozessverteilung. Zwischen diesen Grundlagen können die Werte um mehr als 20 % abweichen. Die tatsächlichen Anforderungen des Kunden umfassen meist zwei Ebenen: Einerseits benötigt er verbindliche Daten für die ESG-Offenlegung, die unbedingt geliefert werden müssen. Andererseits möchte er möglicherweise über den Energieverbrauch den Preis drücken. Hierauf sollte mit der dritten Rechnung geantwortet werden: Der Anteil des Energieverbrauchs an den Gesamtkosten pro Stück liegt üblicherweise bei nur 2 % bis 5 % und sollte zusammen mit tatsächlich optimierbaren Optionen dargestellt werden. Erfahrungsgemäß verändert sich der Charakter des Gesprächs, sobald aus dem Thema Stromsparmaßnahmen die Frage wird, welches Verfahren für die Charge wirtschaftlicher ist. Zusätzlich ist zu beachten: Daten, die in einen öffentlichen ESG-Bericht aufgenommen werden, gelten als rechtlich verbindliche Offenlegung. Bei unklarer Berechnungsgrundlage entstehen bei einer späteren Prüfung vor allem Probleme für die Druckerei.

Wie groß ist der Unterschied im Stromverbrauch pro Einheit zwischen Offsetdruck und Digitaldruck bei einer Schachtel?

Der Unterschied wird durch Auflage und Länge der Prozesskette bestimmt, nicht durch das Alter der Ausrüstung. Im Offsetdruck entfallen die wesentlichen Verbräuche auf die Beheizung von Farbwalzen und Formwalzen sowie auf die Druckluftversorgung. Bei kleinen Auflagen wird die Aufheizenergie des Maschinenstarts extrem stark auf wenige Stück verteilt. Bei einer Auflage von 500 Stück kann ein einziger Aufheizvorgang etwa die Hälfte des Stromverbrauchs dieser Charge verursachen. Zwischen Auflagen von 10000 und 1000000 Stück kann der Stromverbrauch pro Einheit um den Faktor 3 bis 5 abweichen. Digitaldruck benötigt keinen Aufheizvorgang und kann unmittelbar drucken, verbraucht jedoch Energie für die Trocknung. Der Trocknungsbedarf bei wässriger Tintenstrahltechnik und UV-Härtung hängt direkt von der Dicke der Farbschicht ab. Die regelmäßige Reinigung und Wartung der Druckköpfe stellen zudem feste Kosten dar. Die Aussage „Offsetdruck verbraucht mehr Strom als Digitaldruck“ gilt daher nur bei kleinen Auflagen. Bei großen Auflagen kommt der Vorteil der Digitaldruckmethode zum Tragen, weil ihre Fixkosten auf eine größere Menge verteilt werden. Nach unserer praktischen Erfahrung ist Digitaldruck bei Auflagen bis 500 Stück energieeffizienter, während Offsetdruck ab 5000 Stücken Vorteile bietet.

Muss der Energieverbrauch der Rückgewinnungsanlage bei solventbasierter Farbe in die Berechnung einbezogen werden?

Ja, andernfalls zieht der Kunde aus dem Vergleich mit dem Offsetdruck einen falschen Schluss. Der Stromverbrauch des eigentlichen Tiefdruck- oder Flexdruckprozesses ist zwar nicht zwangsläufig am höchsten. Die Lösemittelrückgewinnung benötigt jedoch Strom oder Dampf. Eine kondensationsbasierte Anlage benötigt Kompressor und Kühlung, eine adsorptionsbasierte Anlage Lüfter und Regeneration, und eine destillative Aufarbeitung zusätzlich Wärme. Werden in der Berechnung nur die Druckmaschinen und nicht die Rückgewinnungsanlagen erfasst, wird der Energieverbrauch pro Einheit dieser Produktionslinie systematisch unterschätzt. Die daraus abgeleitete Aussage, Lösemittelfarbe sei nicht energieintensiv, ist für eine ESG-Offenlegung nicht belastbar. Andererseits muss klar sein, dass Umweltkosten nicht nur aus dem Energieverbrauch bestehen. Kapitalaufwendungen und Betriebskosten für die VOC-Behandlung sowie Entsorgungskosten für gefährliche Abfälle müssen ebenfalls einbezogen werden. Erst zusammen zeigen diese Positionen die tatsächlichen Gesamtkosten von Lösemittelfarbe und Wasserfarbe. Eine Berechnung allein auf Basis des Strompreises ist besonders missverständlich.

Der Kunde benötigt Angaben zur Nettofertiggewicht- oder Produktionsgrundlage. Welche Grundlage geben Druckereien normalerweise an?

Das hängt vom Verwendungszweck ab. Für einen internen Kostenvergleich ist die Nettofertiggewicht-Grundlage am verständlichsten. Sobald die Daten jedoch in einer externen Offenlegung, etwa einem ESG-Bericht, einem Lieferantenfragebogen oder den Klimadaten für den Markenartikler, verwendet werden, ist in der Regel die Produktions- oder vollständige Prozessverteilungsgrundlage erforderlich, weil Offenlegungen den tatsächlichen Ressourceneinsatz abbilden müssen und Verluste nicht unberücksichtigt bleiben können. Unser Vorgehen besteht darin, alle drei Grundlagen mit den jeweiligen Definitionen auf derselben Seite anzugeben, damit der Kunde entsprechend dem Verwendungszweck auswählen kann. Das ist besser, als zunächst nur eine Zahl zu liefern und später infrage gestellt zu werden. Wir haben Fälle erlebt, in denen Kunden einen unserer Werte in eine Offenlegungstabelle übernommen haben und im folgenden Jahr bei einer Prüfung gefragt wurden, auf welche Grundlage sich die Zahl beziehe. Die Erläuterung musste letztlich die Druckerei übernehmen.

Kann eine Druckerei bei kleinen Auflagen Energie sparen, indem sie ohne Aufheizvorgang in kaltem Zustand startet?

Technisch unterstützen viele Maschinen einen Kaltstart. Die Nachteile liegen jedoch normalerweise an anderer Stelle: Die Farbverteilung auf den Farbwalzen ist zunächst ungleichmäßig, die Farbmenge auf den Formwalzen schwankt, und die Farbabweichung sowie die Passung der ersten Bogen müssen zusätzlich korrigiert werden. Bei thermisch härtenden Farben oder temperaturempfindlichen Sonderfarben treten diese Probleme deutlich stärker auf. Entscheidend ist ein Kostenvergleich: Die eingesparte Aufheizenergie ist im Verhältnis zur zusätzlichen Rüstzeit, zu den Ausschussbogen bei Testdrucken und zum Risiko eines Lieferverzugs meist unwirtschaftlich. In unserer Druckerei legen wir deshalb schwellenwertabhängige Verfahren fest. Unterhalb einer bestimmten Menge empfehlen wir Digitaldruck, oberhalb einer bestimmten Menge Offsetdruck. Diese Schwellenwerte werden nicht willkürlich festgelegt, sondern anhand der tatsächlichen Startenergie- und Ausschussquoten der vergangenen 2 Jahre berechnet. Die wirksamste Maßnahme zur Energieeinsparung besteht daher häufig nicht in der Anpassung von Parametern, sondern in der Auswahl des geeigneten Verfahrens.

Ein Kunde vergleicht unsere Energiedaten mit denen einer anderen Druckerei und behauptet, unsere Werte seien höher. Wie sollten wir reagieren?

Zunächst sollten nicht vorschnell widersprochen, sondern 3 Fragen gestellt werden: Welche Berechnungsgrundlage verwendet der Wettbewerber, welche Auflagengröße liegt vor und welcher Prozessweg wurde eingesetzt? Bei derselben Schachtel können 1000 Exemplare im Digitaldruck und 10000 Exemplare im Offsetdruck zu vollständig gegensätzlichen Stromverbrauchswerten pro Einheit führen. Sind die Berechnungsgrundlagen des Wettbewerbers nicht angegeben, sind die Werte nicht vergleichbar. Sind sie klar dokumentiert und tatsächlich niedriger, sollten die Unterschiede konkreten Prozessschritten zugeordnet werden. Häufig liegen sie im Trocknungsbereich, in einer vorhandenen Lösemittelrückgewinnung oder in einer unterschiedlichen Startstrategie. Unsere Druckerei führt in solchen Fällen eine Neuberechnung auf derselben Grundlage anhand der eigenen Chargenprotokolle durch. Lässt sich die Differenz erklären, wird diese Erläuterung für das Gespräch verwendet. Lässt sie sich nicht erklären, wird sie offen zugegeben und zugleich dargelegt, welche Maßnahmen zur Verbesserung eingeleitet werden. Bei Energiedaten achten Kunden insbesondere darauf, ob die Druckerei sie korrekt behandelt.

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