Digitaldruck von Mehrteilbelegen: 3 reale Grenzen bei Endlospapier, Mehrfarbigkeit und Farbbandkopie
💡 💡 Auf einen Blick
Mehrteilbelege werden im Digitaldruck häufig unterschätzt. Ihre Einschränkungen liegen nicht in der Druckqualität, sondern in der Papierführung, in der Inking-Methode der Kopierschicht und im übergreifenden Ausrichten der Teile. Drei reale Grenzen: Endlospapier kann mit konstanter Geschwindigkeit oder im Übersprungverfahren geführt werden. Die konstante Geschwindigkeit bietet Tempo, Stabilität und gute Passung, führt aber auch unbenötigte Teile durch die Maschine. Das Übersprungverfahren spart Farbe, verursacht jedoch bei jedem Start und Stopp eine potenzielle Passabweichung. Bei kleinen Auflagen überwiegen zudem die fixen Kosten für Einrichtung, Stillstand und Proof-Ausschuss. Mehrfarbigkeit: Unterschiedlich farbige Teile stammen meist von Farbformsatzpapier und erfordern lediglich eine farbgetrennte Positionierung. Weder die Kohleschicht des Farbandes noch die Mikrokapseln kohlefreier Durchschlagspapiere sind Druckfarben. Die Passung von Mehrteilbelegen ist eine Teile überschreitende Ausrichtung, die nach dem Abreißen zeilengenau stimmen muss. Sie hängt von longitudinaler und lateraler Positionierung sowie von Lochungs-, Maß- und Schnittgenauigkeit des Endlospapiers ab. Farbbandkopie: Die Kohleschicht ist kein Druckfarbstoff. Ihre Übertragung hängt von Druck, Papiergeschwindigkeit, Temperatur und Farbbandzustand ab. Für die ersten drei Faktoren trägt der Drucker Verantwortung, für die Qualität des Verbrauchsstoffes nicht. Der Vertrag sollte Marke beziehungsweise Beschaffung des Farbbandes sowie den Qualitätsstandard unter einwandfreien Bedingungen regeln. Der Kohledruck erfolgt gewöhnlich nach dem Inhaltsdruck, weil sein Druck die Farbschicht überlagert. Die drei wichtigsten Fragen lauten: Wie viele Teile werden benötigt, was wird auf jedem Teil gedruckt und ist eine Farbbandkopie erwünscht?
Im Oktober 2026 wandte sich eine Einkäuferin eines Gastronomieketten an uns, um dreiteilige Kassenbons drucken zu lassen.
Die Anforderungen waren klar: Format 80×80mm, drei Teile. Auf dem ersten Teil sollten die Details auf weißem Papier gedruckt werden, auf dem zweiten auf gelbem und auf dem dritten auf rosa. Alternativ wurde von „Durchschlag“ gesprochen. In jedem Fall sollten alle drei Teile denselben Inhalt haben und nach dem Abreißen getrennt aufbewahrt werden.
Wir stellten drei Fragen.
Die erste: „Sind die Inhalte aller drei Teile vollständig identisch?“
Die Antwort lautete: „Ja, sie sind gleich. Nur die Farben sind unterschiedlich.“
Die zweite: „Meinen Sie mit Durchschlag ein Formular mit Farbband oder mit vorgedrucktem Farbformsatzpapier?“
Die Antwort lautete: „Das Papier, bei dem ein Schreibvorgang drei Exemplare erzeugt. Wir verwenden in unseren Supermärkten bereits genau diese Variante.“
Die dritte: „Soll dieser Beleg für eine einmalige Veranstaltung verwendet werden oder langfristig an jeder Kasse?“
Die Antwort lautete: „Langfristig. Wir drucken jeweils mehrere Tausend Stück.“
Mit dieser dritten Antwort war die Art des Auftrags geklärt: Es handelte sich nicht um Material für eine einmalige Veranstaltung, sondern um einen langfristig genutzten funktionalen Beleg. Die Auswahl von Farbband und Farbformsatzpapier unterscheidet sich daher grundlegend vom gewöhnlichen Druck.
Die erste Grenze: Zwei Methoden zur Führung von Endlospapier
Die erste Grenze liegt in der Papierführung und bestimmt damit direkt die Kostenstruktur.
Mehrteilbelege verwenden Endlospapier mit Fanfold- oder Traktormatrix. An den Seiten des Papiers befinden sich Lochungen, über die die Maschine das Papier über Kettenräder und Lochstollen fortschreiten lässt. Es gibt zwei Methoden der Papierführung:
Konstante Papiergeschwindigkeit (continuous / constant speed). Die Maschine transportiert das Papier mit voller Geschwindigkeit durch alle Teile, wobei nur die tatsächlich benötigten Teile bedruckt werden. Das wirkt zwar verschwenderisch, bietet aber die beste Geschwindigkeit und Stabilität. Das Papier durchläuft die Maschine nur einmal, sämtliche Teile werden in diesem Durchlauf bedruckt, die Zugkraft bleibt konstant und die Passung ist präzise.
Übersprungverfahren (skip / skipping). Die Maschine stoppt an dem zu bedruckenden Teil, druckt und springt anschließend zum nächsten Teil. Der Vorteil: Es wird keine Farbe verschwendet, da nicht benötigte Teile den Druckbereich gar nicht durchlaufen. Allerdings sind höhere mechanische Anforderungen nötig. Jeder Start- und Stoppvorgang kann Passfehler verursachen, und die Maschinengeschwindigkeit sinkt deutlich.
Die Auswahl hängt von drei Faktoren ab:
Erstens: die Anzahl der Teile und die inhaltliche Struktur. Sind alle drei Teile inhaltlich identisch, wie es bei typischen Mehrteilbelegen der Fall ist, benötigt die konstante Geschwindigkeit nur einen Ausrichtvorgang, das Übersprungverfahren dagegen drei. Je mehr Teile und Farben vorhanden sind, desto deutlicher summieren sich die Fehler im Übersprungverfahren.
Zweitens: die Auflagenmenge. Dies ist der entscheidende Faktor. Bei kleinen Auflagen rechnet sich das Übersprungverfahren nicht. Rüstzeiten, Maschinenstopps für die Einrichtung und Fehlprodukte beim Proof sind fixe Kosten, die bei geringen Mengen auf jedes Exemplar entfallen. Nach unserer Erfahrung sinken die variablen Kosten des Übersprungverfahrens schnell mit steigender Menge. Ab einer bestimmten Menge wird es erst deutlich günstiger als die konstante Geschwindigkeit. Dieser Schwellenwert hängt vom Maschinentyp, der Teilezahl und der Anzahl der Farben ab. Der Drucker sollte bei der Kalkulation daher mit den tatsächlichen Parametern der eigenen Anlage rechnen, statt eine allgemeine Schwelle anzuwenden.
Drittens: die Ausschussquote. Auch bei konstanter Geschwindigkeit entstehen Fehlprodukte, etwa beim Einrichten der Maschine oder beim Einstellen der Bogenanzahl. Beide Methoden verursachen Ausschuss.
Die Kundin fragte: „Dann springen Sie doch einfach direkt weiter und sparen Farbe.“
Wir antworteten: „Bei mehreren Teilen summieren sich im Übersprungverfahren die Passfehler. Außerdem verbringt die Maschine bei kleinen Auflagen einen großen Teil der Zeit mit Start- und Stoppvorgängen. Die eingesparte Farbe und die zusätzliche Arbeitszeit müssen gemeinsam berechnet werden.“
Die zweite Grenze: Mehrfarbigkeit und Passung
Die zweite Grenze betrifft Farben und Passung. Die Farblogik von Mehrteilbelegen ist komplexer als beim gewöhnlichen Druck. Zunächst ein verbreitetes Missverständnis: „Drei Teile in unterschiedlichen Farben“ bedeutet nicht „Drei Farben müssen gedruckt werden“.
Die unterschiedlichen Farben von Mehrteilbelegen stammen üblicherweise aus zwei völlig unterschiedlichen technischen Quellen:
Quelle 1: Farbformsatzpapier (pre-printed coloured form paper / Farbbelegpapier). Das Papier ist bereits bei seiner Herstellung farbig. Die gelben, rosa und blauen Teile kommen vom Papierhersteller in der jeweiligen Farbe. Für diese Art der unterschiedlichen Teile muss nichts zusätzlich gedruckt werden. Erforderlich ist lediglich eine farbgetrennte Positionierung auf dem Endlospapier, damit jeder Teil an der richtigen Stelle bedruckt wird.
Quelle 2: Kohlepapierkopie (carbonless multi-part form / kohlefreies Durchschlagpapier). Zwischen den Teilen dieses Papiers liegen Mikrokapselbeschichtungen. Beim Schreiben werden die Kapseln durch den Druck geöffnet und der Farbstoff auf das nächste Teil übertragen. Es wird daher kein Farbband benötigt, sondern die Übertragung erfolgt durch Druck allein. Die Übertragungsqualität hängt jedoch von Druck, Geschwindigkeit und Temperatur ab und reagiert empfindlich auf die Schreibweise.
Die Beschreibung „ein Schreibvorgang, drei Exemplare“ deutet eher auf traditionelles Durchschlagpapier mit Farbband hin. Hier ist eine Kohleschicht auf dem Papier vorhanden, die mit einem Farbband bedruckt wird.
Auch die Passung unterscheidet sich grundlegend. Die Passungsanforderungen von Mehrteilbelegen liegen auf einer völlig anderen Ebene als bei gewöhnlichen Farbschachteln.
Bei einer gewöhnlichen Farbschachtel müssen Grafik und Text auf demselben Blatt ausgerichtet sein. Bei Mehrteilbelegen ist die Passung über die Teile hinweg gefordert. Eine bestimmte Zeile auf dem ersten Teil muss nach dem Abreißen mit der entsprechenden Zeile an derselben Position des zweiten Teils übereinstimmen. Daraus folgen drei Anforderungen:
Die longitudinale Positioniergenauigkeit der Papierführung. Der Startpunkt jedes Teils muss übereinstimmen. Im Übersprungverfahren verursacht jeder Start- und Stoppvorgang eine geringfügige Längsverschiebung, die mit zunehmender Teilezahl wächst.
Die laterale Positioniergenauigkeit. Bei Mehrfarbdruck, beispielsweise unterschiedlichen Farben für Details und Anmerkungen oder für einzelne Teile, muss auch die seitliche Passung kontrolliert werden.
Die Maßtoleranzen und Lochungsgenauigkeit des Papiers. Dieser Punkt wird häufig übersehen: Endlospapier ist gelocht. Fehler im Lochabstand, Abweichungen in der Papierbreite und die Schnittgenauigkeit zwischen den Teilen beeinflussen die Positionierung unmittelbar. Endlospapier sollte daher bei einem festgelegten Lieferanten bezogen werden und nicht beliebig beschafft werden.
Die Kundin sagte: „Wir verwenden im Supermarkt derzeit normales A4-Papier, das ausgedruckt und dann geschnitten wird. Das funktioniert.“
Wir antworteten: „Wenn Sie derzeit Kohlepapier mit Farbband verwenden, funktioniert es, weil die Kohleschicht bereits auf dem Papier liegt und durch den Handdruck übertragen wird. Eine genaue Positionierung ist dann nicht erforderlich. Sollen jedoch unterschiedliche Inhalte auf jedem Teil maschinell gedruckt werden, müssen die Lochungsgenauigkeit des Endlospapiers und die Positioniergenauigkeit der Maschine zusammenspielen. Andernfalls stimmen die Zeilen nach dem Abreißen nicht überein.“
Die dritte Grenze: Farbbandkopie – Die Verbrauchsstoffqualität liegt nicht in der Hand des Druckers
Die dritte Grenze betrifft das Farbband. In diesem Bereich ist die Verantwortungszuordnung besonders heikel.
Zunächst zur Einordnung: Ein Farbband ist ein mit einer Kohleschicht beschichteter Film (carbon film), der zwischen das Durchschlagpapier und das darunterliegende Blatt gelegt wird. Der Schreibdruck überträgt die Kohleschicht auf das untere Blatt. Es hat nichts mit Druckfarbe zu tun. Der Drucker überträgt eine Kohleschicht, keine Farbe.
Beim Kohledruck (carbon printing) wird ein spezielles Farbband verwendet, das auf der Maschine aufgerollt und zeilenweise auf das Papier übertragen wird. Die Wirkung des Kohledrucks hängt von mehreren Parametern ab:
Druck. Zu geringer Druck führt zu einer unvollständigen Übertragung, zu blasser Schrift oder sogar zu abgebrochenen Strichen. Zu hoher Druck hinterlässt Prägespuren auf der Rückseite und kann sogar das untere Blatt beschädigen. Der Drucker kann diesen Faktor einstellen, muss dabei aber die Dicke beider Papierschichten berücksichtigen.
Papiergeschwindigkeit. Bei hoher Geschwindigkeit steht für die Übertragung weniger Zeit zur Verfügung, die Kohleschicht wird nicht ausreichend aufgetragen und die Schrift bleibt blass. Bei langsamer Geschwindigkeit sinkt hingegen die Maschineneffizienz.
Temperatur. Die Kohleschicht ist bei Raumtemperatur fest und wird durch Druck und Scherung übertragen. Eine erhöhte Temperatur kann sich auf die Übertragung auswirken.
Alter und Qualität des Farbbandes. Diesen Faktor kann der Drucker kaum kontrollieren. Das Farbband ist ein Verbrauchsstoff mit begrenzter Standzeit. Eine locker gerollte oder zu lange gelagerte Rolle kann die Übertragung beeinträchtigen.
Die Kundin sagte: „Die Schrift auf den diesmal gedruckten Belegen ist sehr blass.“
Wir antworteten: „Für eine blasse Schrift gibt es vier Ursachen: Druck, Papiergeschwindigkeit, Temperatur und Zustand des Farbbandes. Die ersten drei können wir einstellen. Wurde das Farbband bereits zu lange verwendet oder ist es feucht geworden, liegt ein Problem beim Verbrauchsstoff vor. Bitte testen Sie zunächst eine neue Rolle. Bleibt die Schrift blass, passen wir anschließend Druck und Papiergeschwindigkeit an.“
Eine Grenze muss hier eindeutig festgehalten werden: Für die Schriftqualität beim Kohledruck trägt der Drucker nur für Abweichungen aufgrund von Geräteparametern Verantwortung, nicht für Abweichungen aufgrund der Farbbandqualität. Kunden nehmen diesen Unterschied jedoch nicht wahr. Daher sollte im Vertrag ausdrücklich festgelegt werden, dass der Kunde die Marke des Farbbandes vorgibt oder der Drucker es im Auftrag beschafft. Der Qualitätsstandard für den Kohledruck sollte lauten: „Erreichte Zeichendichte bei einwandfreiem Farbband“. Ohne diese Klausel hat der Drucker bei einer Reklamation wegen blasser Schrift keine vertragliche Grundlage.
Außerdem gilt aus der Praxis: Die Reihenfolge von Kohledruck und gewöhnlicher Farbflächendruck ist relevant. Wenn ein Beleg sowohl Inhalte als auch Kohledruck erhalten soll, erfolgt der Kohledruck üblicherweise zuletzt, weil sein Druck die zuvor gedruckte Farbschicht überlagert. Bei umgekehrter Reihenfolge kann die vorherige Druckfarbe geprägt oder sogar entfernt werden.
Die ersten drei Fragen bei kleinen Auflagen von Mehrteilbelegen
Werden diese drei Grenzen zusammengeführt, ergeben sich in der Praxis drei Zahlen.
Die erste Zahl: die Anzahl der Teile. Sie bestimmt die Auswahl der Papierführung, die Anforderungen an die Positioniergenauigkeit und die Papierquelle. Bei mehreren Teilen summieren sich die Passfehler im Übersprungverfahren, sodass eher die konstante Geschwindigkeit geeignet ist. Zudem steigen mit der Teilezahl die Anforderungen an Lochungs- und Schnittgenauigkeit des Endlospapiers. Die Teilezahl berührt außerdem eine rechtliche Frage: Die Beweiswirkung eines Mehrteilbelegs hängt davon ab, in wie vielen Ausfertigungen er ausgestellt wird. Die Funktion der einzelnen Teile, etwa Kunden-, Händler- und Belegkopie, muss bereits bei der Gestaltung eindeutig feststehen. Andernfalls kann nach dem Abreißen Streit darüber entstehen, welches Teil das formale Original ist.
Die Kundin sagte: „Drei Teile.“
Wir antworteten: „Welches Teil wird archiviert, welches erhält der Kunde und welches bleibt beim Händler? Diese Teile müssen im Design unterschieden werden, damit sie nach dem Abreißen eindeutig zugeordnet werden können.“
Die zweite Zahl: Was auf jedem Teil gedruckt wird. Drei Fälle erfordern völlig unterschiedliche Vorgehensweisen:
Alle Teile haben denselben Inhalt und müssen positioniert werden, wobei sowohl konstante Geschwindigkeit als auch Übersprungverfahren möglich sind. Jedes Teil hat einen anderen Inhalt, sodass zwingend das Übersprungverfahren und eine Positionierung jedes einzelnen Teils erforderlich sind und die Passungsanforderungen am höchsten sind. Einige Teile werden bedruckt, andere bleiben leer, wofür die konstante Geschwindigkeit am wirtschaftlichsten ist.
Die Kundin sagte: „Alle drei Teile sind gleich.“
Wir antworteten: „Entstehen die unterschiedlichen Farben durch das Farbformsatzpapier selbst oder durch den Druck unterschiedlicher Farben? Bei Farbformsatzpapier müssen wir lediglich positionieren und keine zusätzliche Farbe drucken.“
Die dritte Zahl: Ob eine Farbbandkopie benötigt wird. Diese Angabe bestimmt den gesamten Prozessweg. Drei Varianten sind möglich:
Keine Durchschrift, jedes Teil wird separat gedruckt, was die einfachste Lösung mit reiner Positionierungsdruck darstellt. Farbbandkopie erfordert eine Kohledruckmaschine, Farbband als Verbrauchsstoff sowie die Kontrolle von Druck, Papiergeschwindigkeit und Farbbandzustand. Kohlefreies Durchschlagpapier mit Mikrokapseln benötigt keinen Kohledruckprozess. Beim Druck muss der Druck jedoch so niedrig gehalten werden, dass die Mikrokapseln nicht brechen und das spätere Handschreiben beeinträchtigt wird.
Die Kundin sagte: „Wir möchten eine Durchschrift.“
Wir antworteten: „Geben Sie die Marke des Farbbandes vor? Das Farbband ist ein Verbrauchsstoff, dessen Zustand die Schriftqualität direkt beeinflusst. Wir empfehlen, dies schriftlich im Vertrag festzuhalten.“
Ein Satz für Kunden
Das Wichtigste, was wir Kunden zu Mehrteilbelegen sagen möchten, lautet: „Dies ist ein funktionales Material, kein Werbematerial. Seine Abnahmekriterien lauten: ‚Nach dem Abreißen muss jedes Teil verwendbar sein‘, nicht: ‚Sieht der Druck gut aus?‘“
Dieser Satz verändert viele Aspekte der Kommunikation. Bei Werbematerial wird über die Gestaltung gesprochen, bei funktionalem Material dagegen über drei Punkte: Kann der Beleg an der Kasse stecken bleiben, lassen sich die Teile beim Abreißen sauber trennen und ist die Schrift auf dem Teil, das der Kunde erhält, gut lesbar? Alle drei Aspekte sind strukturelle und keine ästhetischen Fragen.
Wir sagen Kunden außerdem oft: „Die teuersten Kostenanteile eines Mehrteilbelegs liegen nicht in den Druckkosten, sondern in der Positioniergenauigkeit und der Ausschussquote.“ Sobald die Teile eines Belegs nicht miteinander ausgerichtet sind, verliert die gesamte Charge an Wert. Deshalb empfehlen wir bei kleinen Auflagen von Mehrteilbelegen selten das Übersprungverfahren. Die eingesparte Farbe gleicht die Nacharbeit und den Ausschuss infolge mangelhafter Positionierung nicht aus.
Weiterführende Beiträge
- Digitaldruck bei gekrümmten und ungewöhnlichen Behältern: 3 reale Grenzen – eine weitere Digitaldruckkategorie, die einfach wirkt, aber schwierig umzusetzen ist
- Digitaldruck bei der Nutzung von Papierformaten: 3 reale Kostengrenzen – Papiernutzung, Passerverlust und Formatwechsel bei Mehrteilbelegen
- Digitaldruck bei Farbwechsel und Maschinenreinigung: 3 reale Kostengrenzen – Kosten des Farbwechsels bei mehrfarbigen Belegen
Häufige Fragen
Die Kundin sagt, die drei Teile hätten unterschiedliche Farben. Sind drei Farben zu drucken?
Nicht zwingend, meistens nicht. Die unterschiedlichen Farben der einzelnen Teile stammen überwiegend von Farbformsatzpapier. Das Papier ist bereits bei der Herstellung farbig, etwa gelb, rosa oder blau. Der Drucker erhält eine Rolle Endlospapier mit bereits farbig getrennten Teilen und muss beim Druck lediglich farbgetrennt positionieren. Zusätzliche Druckfarbe entsteht dabei nicht. Eine weitere Möglichkeit ist die Farbbandkopie, bei der die Kohleschicht ebenfalls keine Druckfarbe ist. Deshalb muss zuerst geklärt werden, ob die unterschiedlichen Farben aus dem Papier, aus der Übertragung durch das Farbband oder aus dem tatsächlichen Farbdruck stammen. Diese Einordnung wirkt sich unmittelbar auf den Farbverbrauch und die Verfahrensschritte im Angebot aus.
Welche Papierführung ist für Mehrteilbelege geeignet, konstante Geschwindigkeit oder Übersprungverfahren?
Die Entscheidung hängt von Teilezahl, Inhaltsstruktur und Auflagenmenge ab. Bei konstanter Geschwindigkeit läuft das Papier mit voller Geschwindigkeit durch und wird nur auf den benötigten Teilen bedruckt. Das Verfahren bietet eine stabile Papierführung, gute Passung und hohe Geschwindigkeit, führt jedoch auch unbenötigte Teile durch die Maschine. Beim Übersprungverfahren stoppt die Maschine an dem zu bedruckenden Teil, druckt und springt dann weiter. Dadurch wird keine Farbe verschwendet und der Druckbereich wird nicht mit unnötigen Teilen belastet. Jeder Start- und Stoppvorgang ist jedoch eine potenzielle Ursache für Passfehler. Mit zunehmender Teilezahl wächst die longitudinale Verschiebung, zugleich sinkt die Maschinengeschwindigkeit. Bei kleinen Auflagen entstehen durch Einrichtung, Stillstand und Fehlprodukte beim Proof hohe fixe Kosten je Exemplar. Deshalb empfehlen wir bei kleinen Mehrteilbelegen meist das Übersprungverfahren nicht. Der Schwellenwert hängt vom Maschinentyp, der Teilezahl und der Anzahl der Farben ab, weshalb der Drucker mit den tatsächlichen Geräteparametern rechnen sollte.
Der Drucker trägt Verantwortung, wenn die Schrift bei einer Farbbandkopie blass ist?
Das hängt von der Ursache ab. Vier Faktoren beeinflussen die Übertragung beim Kohledruck: Druck, Papiergeschwindigkeit, Temperatur und Zustand des Farbbandes. Für die ersten drei kann der Drucker die Anlagenparameter einstellen und trägt dort Verantwortung. Das Farbband ist jedoch ein Verbrauchsstoff mit begrenzter Standzeit. Feuchtigkeit, eine lockere Rolle oder zu lange Lagerung beeinträchtigen die Übertragung und liegen außerhalb der Kontrolle des Druckers. Im Vertrag sollte daher festgelegt werden, dass der Kunde die Farbbandmarke vorgibt oder der Drucker das Farbband beschafft. Der Qualitätsstandard für den Kohledruck sollte lauten: „Erreichte Zeichendichte bei einwandfreiem Farbband“. Ohne diese vorherige Vereinbarung fehlt dem Drucker bei einer Reklamation wegen blasser Schrift eine vertragliche Grundlage. Zudem erfolgt der Kohledruck gewöhnlich nach dem Inhaltsdruck, weil sein Druck die zuvor gedruckte Farbschicht überlagert.
Wie unterscheidet sich die Passung von Mehrteilbelegen von der einer gewöhnlichen Farbschachtel?
Sie liegt auf einer völlig anderen Ebene. Bei einer gewöhnlichen Farbschachtel werden Grafik und Text auf demselben Blatt ausgerichtet. Mehrteilbelege erfordern eine Passung über die Teile hinweg. Eine bestimmte Zeile auf dem ersten Teil muss nach dem Abreißen mit der entsprechenden Zeile an derselben Position des zweiten Teils übereinstimmen. Dafür müssen sowohl die longitudinale Positioniergenauigkeit als auch bei Mehrfarbdruck die laterale Passung kontrolliert werden. Die longitudinale Positioniergenauigkeit verlangt einen identischen Startpunkt jedes Teils. Beim Übersprungverfahren verursacht jeder Start- und Stoppvorgang eine geringfügige Verschiebung, die mit zunehmender Teilezahl wächst. Zudem beeinflussen Maßtoleranzen sowie Loch- und Schnittgenauigkeit des Endlospapiers die Positionierung. Deshalb sollte Endlospapier bei einem festgelegten Lieferanten bezogen und nicht beliebig beschafft werden.
Warum gelten beim kohlefreien Durchschlagpapier mit Mikrokapseln trotz entfallendem Kohledruckprozess weiterhin Einschränkungen beim Druck?
Mikrokapseln werden durch Druck geöffnet, um den Farbstoff zu übertragen. Wird beim Druck zu viel Druck ausgeübt, brechen die Kapseln vorzeitig und das spätere Handschreiben fällt aus. Zu geringer Druck wiederum führt dazu, dass der eigentliche Druck nicht den Anforderungen entspricht. Außerdem bestehen Anforderungen an die Druckfarbe, da Lösungsmittel oder Weichmacher bestimmter Farben die Integrität der Mikrokapseln beeinträchtigen können. Der Drucker muss deshalb auch beim kohlefreien Papier den Druck in einem geeigneten Bereich halten und gegebenenfalls mit dem Papierhersteller die Druckbarkeit und die maximale Druckbelastung abstimmen. Bei kohlefreiem Papier sind die Prozessparameter entsprechend anzupassen; die Einstellungen für gewöhnliches Papier können nicht unverändert übernommen werden.
Ein Kunde bestellt zunächst 500 mehrteilige Belege. Worauf sollte der Drucker achten?
Bei kleinen Auflagen von Mehrteilbelegen wird häufig die falsche Papierführung gewählt, um Farbe zu sparen. Das Übersprungverfahren kann dadurch zu einer unzureichenden Positioniergenauigkeit und sogar zu einer höheren Ausschussquote führen. Ebenso problematisch ist eine ungeeignete Papierquelle. Wird nicht das vorgeschriebene Endlospapier verwendet, können Abweichungen in der Lochungsgenauigkeit zu einer driftenden Positionierung führen. Zudem berührt die Teilezahl die Beweiswirkung. Bei Mehrteilbelegen muss vorab feststehen, welches Teil das formale Original ist, welches archiviert wird und welches der Kunde erhält. Im Design müssen die Teile unterschieden werden, damit nach dem Abreißen keine Unklarheit über ihre Zuordnung entsteht. Im Angebot sollten daher die Papierführung, die Papierspezifikation und die Frage, wer das Farbband vorgibt, ausdrücklich geregelt werden. Ebenso sollte vereinbart werden, wie Farbabweichungen und die Passung abgenommen werden, visuell oder per Messgerät. Bei kleinen Auflagen ist dies besonders wichtig, da keine größere Menge zur Verteilung der Fehler beiträgt.
📚 📚 Ähnliche Empfehlungen
Benötigen Sie eine individuelle Verpackungslösung?
Erfahren Sie mehr über Verpackungen oder holen Sie direkt eine individuelle Lösung und ein Angebot ein
