4 Klassen von Kunststoffverpackungsmaterialien im Compliance-Kontext: PET/PVC/PP/PE – Druckereien stolpern am häufigsten über Phthalate in PVC
💡 💡 Auf einen Blick
Ein Kunde exportierte PVC-Verpackungsbeutel für Kinderspielzeug; bei einer Stichprobenkontrolle durch den deutschen Zoll wurde eine Überschreitung des Phthalats DEHP um das 8-fache festgestellt, die gesamte Charge von 20.000 Beuteln wurde vernichtet. Dieser Artikel erläutert detailliert die Compliance-Grenzen der 4 Kunststoffverpackungsmaterialien PET/PVC/PP/PE in den 4 Szenarien Lebensmittel, Kosmetik, Medizin und Spielzeug. Druckereien stolpern am häufigsten über die Phthalat-Grenzwerte (DEHP/DBP) in PVC – EU-Grenzwert 0,1 %, inzwischen auch in China für Lebensmittelverpackungen verpflichtend.
Im September 2024 wurde ein Kunde, der Kinderspielzeug exportiert, zurückgewiesen. Originalton des Kunden:
„Wir stellen PVC-Verpackungsbeutel für Kinderspielzeug her. Bei der Stichprobenkontrolle durch den deutschen Zoll wurde eine Überschreitung des Phthalats DEHP um das 8-fache festgestellt – der deutsche Grenzwert liegt bei 0,1 %, bei uns wurden 0,8 % gemessen. Die gesamte Charge von 20.000 Stück wurde vernichtet, Schaden 80.000 Yuan."
Das ist eine reale Compliance-Falle. Bevor eine Druckerei Aufträge für Kunststoffverpackungen annimmt, muss sie die Compliance-Grenzen der 4 Materialklassen in den 4 Anwendungsszenarien kennen.
Materialklasse 1: PET (Polyethylenterephthalat)
Eigenschaften: transparent, gute Steifigkeit, temperaturbeständig von -40 °C bis 70 °C. Typische Anwendungen: Getränkeflaschen, Kosmetikflaschen, Außenhüllen von Lebensmittelboxen.
Compliance-Szenarien:
- Lebensmittelszenario: GB 4806.7 Standard für Kunststoff-Harze mit Lebensmittelkontakt. PET ist in China, der EU und den USA zugelassen, Migrationsgrenzwert 10 mg/dm²
- Kosmetikszenario: EU-Verordnung EC 1223/2009, PET ist in allen Kosmetikverpackungen zugelassen
- Spielzeugszenario: ASTM F963, EN 71-3 – PET enthält keine Phthalate und darf für Kinderspielzeugverpackungen verwendet werden
Hinweis für Druckereien: PET ist hochtransparent und stellt hohe Anforderungen an die Druckfarbe – herkömmliche UV-Druckfarben lösen sich auf PET leicht ab. Empfohlen werden PET-spezifische UV-Druckfarben oder wasserbasierte Druckfarben. In unserer Druckerei hatten wir 3 Fälle, in denen UV-Druckfarben auf PET abplatzten; nach Umstellung auf PET-spezifische UV-Druckfarben lag die Erfolgsquote bei 100 %.
Eine leicht übersehene Eigenschaft von PET ist der Kristallinitätsgrad. PET mit Kristallinität über 30 % ist hochtransparent, PET unter 30 % neigt zu milchig-weißer Optik. Beim Rohstoffeinkauf sollte die Druckerei den vom Kunden gewünschten Transparenzgrad bestätigen.
Materialklasse 2: PVC (Polyvinylchlorid)
Eigenschaften: transparent, weich, heißsiegelfähig. Typische Anwendungen: Spielzeugverpackungen, Frischhaltefolien für Lebensmittel, Kosmetiktuben, Bankkarten.
Compliance-Szenarien (hier stolpern Druckereien am häufigsten):
- Lebensmittelszenario (in der EU verboten): Seit 2020 verbietet die EU PVC für Lebensmittelkontaktmaterialien (PVC ist nicht in der Positivliste der EU 10/2011 gelistet)
- Lebensmittelszenario (in China erlaubt, aber mit Grenzwerten): GB 4806.7 erlaubt PVC für Lebensmittelkontakt, jedoch muss die Migration von Vinylchlorid-Monomeren < 1 mg/kg betragen
- Kinderspielzeug (weltweit streng limitiert): Die EU-REACH-Verordnung begrenzt den Gesamtgehalt der Phthalate DEHP/DBP/BBP in PVC auf < 0,1 %, die US-CPSIA enthält dieselbe Beschränkung
- Kosmetikszenario (in China erlaubt): PVC ist in China für Kosmetikverpackungen nicht beschränkt, die EU zieht jedoch schrittweise nach
Eiserne Regel für Druckereien: Vor Annahme eines PVC-Auftrags müssen 4 Fragen an den Kunden gestellt werden:
- Bestimmungsland des Produkts (EU/USA/China/Japan)
- Produktkategorie (Lebensmittel/Kosmetik/Spielzeug/Sonstiges)
- Ist ein Prüfbericht eines Drittanbieters erforderlich?
- Lieferant und Typenbezeichnung des PVC-Rohstoffs (verschiedene Typen unterscheiden sich enorm im Phthalatgehalt)
Unsere Druckerei hat 2024 zwei PVC-Aufträge abgelehnt: einen für den Export von Kinderspielzeug – die Rohstoff-Typenbezeichnung des Lieferanten enthielt DEHP; einen weiteren für den Export von Lebensmittelverpackungen mit Bestimmungsland EU. Diese beiden Aufträge hätten bei Annahme einen Schaden von über 500.000 verursacht.
Materialklasse 3: PP (Polypropylen)
Eigenschaften: temperaturbeständig von -20 °C bis 120 °C, halbtransparent, gute Steifigkeit. Typische Anwendungen: Lebensmittelboxen, Kosmetikflaschenverschlüsse, Medizinverpackungen, Trinkhalme.
Compliance-Szenarien:
- Lebensmittelszenario: GB 4806.7 erlaubt PP für Lebensmittelkontakt, mikrowellengeeignet
- Medizinszenario: PP ist der Hauptwerkstoff für Medizinverpackungen, mit eigenen Standards in der chinesischen Pharmakopöe 2020 und USP Class VI
- Kosmetikszenario: PP ist in allen Kosmetikverpackungen zugelassen
- EU-Export: PP steht auf der Positivliste der EU 10/2011, Migrationsgrenzwert 10 mg/dm²
Hinweis für Druckereien: PP hat eine niedrige Oberflächenenergie, die Farbhaftung ist schlechter als bei PET. Vor dem Druck wird eine Corona-Behandlung empfohlen (Corona-Stärke ≥ 38 Dyn). Unsere Druckerei setzt Inline-Corona-Behandlung mit 38–42 Dyn ein – die Abplatzrate beim PP-Druck sank so von 8 % auf unter 1 %.
PP wird zusätzlich in Homopolymer-PP und Copolymer-PP unterteilt. Homopolymer-PP ist weniger transparent, aber steifer und eignet sich für Flaschenverschlüsse; Copolymer-PP ist transparenter, aber weniger steif und eignet sich für Folien. Beim Rohstoffeinkauf sollte die Druckerei klären, welcher PP-Typ der Kunde benötigt.
Materialklasse 4: PE (Polyethylen)
Eigenschaften: weich, feuchtigkeitsbeständig, gute Heißsiegelfähigkeit. Typische Anwendungen: Lebensmittelbeutel, Frischhaltefolien, Pflegeprodukt-Flaschen, Rohre.
Compliance-Szenarien:
- Lebensmittelszenario: PE ist in China, der EU und den USA für Lebensmittelkontakt zugelassen, Migrationsgrenzwert 10 mg/dm²
- Kosmetikszenario: PE ist in allen Kosmetikverpackungen zugelassen
- Umweltszenario: PE benötigt in der natürlichen Umgebung 100–500 Jahre zur Zersetzung (reale Labordaten) – bei Werbung mit „biologisch abbaubar" ist Vorsicht geboten
PE wird unterteilt in LDPE (niedrige Dichte, weich), HDPE (hohe Dichte, steif) und MDPE (mittlere Dichte). Bei Auftragsannahme muss die Druckerei genau klären, welcher PE-Typ gewünscht wird.
Häufigste Falle bei PE: Der Kunde kauft PE-Beutel für Lebensmittelverpackungen, aber die Innenschicht besteht aus recyceltem PE – recyceltes PE ist in der EU und in China nicht für Lebensmittelkontakt zugelassen. Unsere Druckerei verlangt für alle PE-Lebensmittelverpackungsaufträge einen Rohstoff-Nachweis in Lebensmittelqualität (FDA- oder EFSA-Zertifizierung).
4 eiserne Regeln für Druckereien bei der Annahme von Kunststoffverpackungsaufträgen
- Bestimmungsland klären: PVC-Lebensmittelkontakt in der EU verboten, PVC-Spielzeug in den USA eingeschränkt, PVC in China erlaubt, aber mit Grenzwerten
- Produktkategorie klären: Die Compliance-Anforderungen für Lebensmittel/Kosmetik/Spielzeug/Medizin unterscheiden sich erheblich
- Prüfbericht eines Drittanbieters: Bei Exportaufträgen unbedingt Clariant-Check- oder SGS-Bericht anfordern
- Besondere Vorsicht bei PVC: Bei PVC-Aufträgen unbedingt das Compliance-Zertifikat des Rohstofflieferanten prüfen, sonst Auftrag ablehnen
3 häufige Irrtümer bei der Compliance von Kunststoffverpackungen
- Irrtum 1: Biologisch abbaubar = umweltfreundlich. PLA-Menüschalen waren in der natürlichen Umgebung nach 80 Jahren noch nicht vollständig zersetzt (reale Labordaten), PE benötigt 100–500 Jahre. Biologisch abbaubar ist nicht gleich umweltfreundlich – die Abbaubedingungen müssen betrachtet werden.
- Irrtum 2: Recycelbar = umweltfreundlich. Recycelbar bedeutet nicht, dass tatsächlich recycelt wird – die Kunststoff-Recyclingquote in China liegt unter 30 %, die meisten PE/PET-Abfälle landen auf Deponien.
- Irrtum 3: FDA-Zertifizierung = weltweit anerkannt. FDA ist der US-Standard, die EU nutzt EFSA, China nutzt GB. Ein von einem Kunden gekaufter FDA-zertifizierter Kunststoff wird in der EU nicht zwangsläufig anerkannt.
Weiterführende Lektüre
- Wie berechnet man die Migration bei Kunststoffverpackungen wirklich? 4 gängige Migrationstests + welche Unternehmen aus Lebensmittel-/Kosmetik-/Spielzeugbranche jeweils testen sollten
- Sind Kunststoffverpackungen umweltfreundlich? Echtheitsprüfung von 3 Klassen von Abbaudaten: PLA-Menüschalen nach 80 Jahren nicht zersetzt / PBAT nur kompostierbar / Downcycling von recyceltem Kunststoff
- Metallverpackung vs. Kunststoffverpackung – 3 Klassen des Lebensmittelsicherheitsvergleichs: Konservendose / metallisiertes Material / Verbundbeutel – Druckereien stolpern am häufigsten über freies Phenol im Klebstoff für metallisierte Materialien
Häufige Fragen
Dürfen PVC-Verpackungen für Lebensmittelkontakt verwendet werden?
In China erlaubt (GB 4806.7), jedoch muss die Migration des Vinylchlorid-Monomers < 1 mg/kg betragen. In der EU ist PVC seit 2020 für Lebensmittelkontakt verboten. Druckereien müssen vor Exportaufträgen unbedingt das Bestimmungsland klären.
Welches Material eignet sich besser für Lebensmittelverpackungen, PET oder PP?
Das hängt vom Szenario ab. PET ist hochtransparent und eignet sich für Getränkeflaschen und Kosmetik-Außenhüllen; PP ist temperaturbeständig und eignet sich für mikrowellengeeignete Lebensmittelboxen und Flaschenverschlüsse. Beide Materialien sind compliant.
Welche Gefahren birgt eine Überschreitung des Phthalat-Grenzwerts (DEHP)?
DEHP ist ein endokriner Disruptor; bei Langzeitkontakt beeinträchtigt er das Fortpflanzungssystem. Der EU-Grenzwert liegt bei 0,1 %, bei Überschreitung wird die Ware vernichtet. Druckereien müssen für Kinderspielzeugverpackungen DEHP-freies PVC verwenden oder auf PET/PE umstellen.
Ist PE wirklich umweltfreundlich?
PE ist recycelbar (Recyclingcode 02/04), aber nicht biologisch abbaubar. Labordaten zeigen, dass PE in der natürlichen Umgebung 100–500 Jahre zur Zersetzung benötigt. Bei Umweltwerbung ist Genauigkeit erforderlich – PE darf nicht als biologisch abbaubar beworben werden.
Wie behandelt man abplatzende Druckfarbe auf Kunststoffverpackungen?
Kunststoffoberflächen haben eine niedrige Oberflächenenergie (PP/PE 30–32 mN/m) und benötigen vor dem Druck eine Corona-Behandlung (≥ 38 Dyn). Wenn bereits Abplatzungen aufgetreten sind, kann mit PP/PE-spezifischer Druckfarbe nachgedruckt oder auf PET-spezifische UV-Druckfarbe umgestellt werden.
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